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Willkommen

Hallo und herzlich willkommen auf www.plot.de.be, einer Literaturseite mit dem Hauptvermerk auf Kurzgeschichten. Wir wuenschen euch viel Spass beim stoebern und lesen, und im Vorraus schonmal vielen Dank fuer euren Besuch.

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Zitat der Woche

"Egal wie weit der Weg ist, man mu den ersten Schritt tun."

-Mao Tse-tung

Geschichte eines Junkies

etzt liege ich mal wieder in der Ecke des Bahnhofsklos. Was die letzten Stunden genau passiert ist... Ich kann es nicht sagen. Diese Situation fühlt sich an, wie eine Kette nicht enden wollender Déjàvus, doch ich weiß, dass es keine sind. Mein Blick klärt sich langsam und schweift von der Toilette über den versifften Boden mit den gesprungenen Fliesen, die kleine Tüte mit dem braunen Pulver, bis hin zu der blutverkrusteten Spritze. Mein Name ist Lars. Das bedeutet so viel wie "Lorbeer", doch von Lorbeeren habe ich schon lange nichts mehr gesehen. Es gab tatsächlich eine Zeit, zu der mein Leben noch normal verlief. Eigentlich war sogar alles perfekt: Ich war der Beste in der Jahrgangsstufe unseres Gymnasiums. Ich wollte immer Physik studieren, wie mein Großvater damals. Er war aufgrund eines Verkehrsunfalls querschnittsgelähmt und saß deshalb zu viele Jahre seines wertvollen Lebens im Rollstuhl. Viele nahmen ihn nicht ganz ernst, weil er behindert war, doch ich habe ihn so wie er war akzeptiert und vorallem respektiert. Mit 79 Jahren starb er dann an Herzversagen... Und ein Teil von mir starb mit. Von diesem Zeitpunkt an ging meine Karriere steil bergab und ich hatte niemanden, der mich stützte. So fielen meine schulischen Leistungen ab bis zum Nullpunkt. Stundenlang saß ich an eigentlich einfachen Aufgaben, nur um dann im Endeffekt am nächsten Tag doch mit leerem Heft zu erscheinen. Was die Lehrer mir predigten, half mir nicht, es war mir nur ein Stein auf dem Weg zur Besserung dieser Phase, wie ich damals noch hoffte, dass es eine wäre. Dann kamen diese Neuen zu uns an die Schule. Sie waren mir von Anfang an nicht ganz geheuer. Wer hätte gedacht, dass sie einmal meine besten Freunde werden würden? Wir mussten gemeinsam nachsitzen. Regelmäßig. Nie hatten wir auch nur ein Wort gewechselt. Bis mich eines Tages Thomas, der Älteste der drei, ansprach: "Was schlägt dich eigentlich jede Woche hier her?" "Der Tod persönlich." antwortete ich genervt. "Und euch?" "Ach..." begann Moni "Dies und das." Danny, der dritte im Bunde, grinste hinterhältig. "Du bist mir sympathisch." sagte Thomas und einen Moment musste ich ernsthaft überlegen, ob er mich meinte. "Haste nich' Bock heut' Abend auf Party zu kommen?" Ich war skeptisch. "Danny hat Sturmfrei." hängte er an, als wäre das für mich eher ein Grund zu kommen, und warf einen Blick zu seinem unglaublich gesprächigen Freund, der wie ein Wackeldackel nickte. "Na gut..." antwortete ich, fester Überzeugung, dass ein bisschen Abwechslung ja nicht schaden konnte. Das war der erste richtig große Fehler, den ich in meinem Leben gemacht hatte. Auf der Party benahmen sich alle, ich hätte es mir denken können, wie ein Haufen lebensmüder Vollidioten. Dabei gingen Drogen aller Art über den Tisch. "Willste auch eine?" fragte Danny. Ganz überrascht, dass er sprechen konnte, realisierte ich nicht wirklich, dass er mir bereits eine Tablette zugeschoben hatte. "Was hab' ich jetzt schon noch zu verlieren?" fragte ich mich selbst und schluckte. Der zweite große Fehler. Ich war dumm und naiv, denn was ich zu verlieren hatte, das sieht man nun. Tausend mal bin ich abgestürzt und hier aufgewacht. Tausend mal bin ich schon in der Klinik aufgewacht. Immer als ich dachte, ich hätte genug Kraft geschöpft, um da raus zu gelangen, bin ich bloß noch tiefer hinein gerutscht. Ich muss endlich meine Chance nutzen und einen Neubeginn in meinem Leben starten. Viele Opfer habe ich schon gebracht, doch alles war umsonst. Nun habe ich nicht mehr so viel Zeit. Ich muss es schaffen, bevor mein letztes Stündlein schlägt...