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Hallo und herzlich willkommen auf www.plot.de.be, einer Literaturseite mit dem Hauptvermerk auf Kurzgeschichten. Wir wuenschen euch viel Spass beim stoebern und lesen, und im Vorraus schonmal vielen Dank fuer euren Besuch.

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Zitat der Woche

"Egal wie weit der Weg ist, man mu den ersten Schritt tun."

-Mao Tse-tung

Gomorrha - Der Tod kommt schnell



Teil 1 - Der Überfall

s ist angenehmer, seit die Straßen leerer sind. Es ist nicht mehr Notwendig sich an Straßenbeschilderungen oder Regeln zu halten, wenn doch nur knapp ein Dutzend Automobile in einer Stadt unterwegs sind; wo vorher nur 30 erlaubt waren, lässt es sich nun mit 80km/h fahren, ohne das irgend jemand etwas sagen würde. Natürlich fahre ich nicht selbst - wofür hat man Geld -, aber ich merke doch, dass es beträchtlich schneller geht, seit die Spritpreise immer mehr und mehr in die Höhe gingen, während der Großteil der Bevölkerung immer ärmer wurde und sich ein Fahrzeug nicht mehr leisten konnte. Für Unsummen kann man noch den Bus nehmen, für einen sehr viel kleineren Preis die Bahn, aber das ist nichts, was die Straßen voller machen würde.

„Und wie geht es dir heute Roy?“

Mein Chauffeur nickt mir freundlich zu. Wie immer fast er sich dabei mit der behandschuhten Rechten an seine Mütze und lächelt über sein Gesicht. „Danke, Sir, sehr gut. Und ihnen?“

„Ich kann nicht klagen...“

Kann ich wirklich nicht. Einer der Reichsten dieser Stadt zu sein bekommt mir gut, und auch wenn das Risiko auf Leib und Leben damit erheblich wächst, ich habe ja Dimitri, meinen gut ausgebildeten Bodyguard, der wie immer auch jetzt neben mir sitzt. Ich weiß nicht wie er wirklich heißt, aber er tut seinen Job für das Geld, das ich ihm zahle, also stelle ich keine Fragen.

Man könnte die Frage stellen, ob ein einziger Wachmann genügt, doch bei einem zusätzlichen Ex Soldaten als Chauffeur, der mit einer Vollautomatischen Pistole ausgerüstet ist, sowie einem gepanzerten Mercedes, mache ich mir eigentlich nicht mehr allzu viele Sorgen. Um ehrlich zu sein, musste ich mich noch keiner größeren Gefahr, keinem wirklichen Anschlag stellen, und das obwohl ich meine Hände fast überall habe; sowohl in legalen, als auch in illegalen Geschäften. In dieser Stadt wäre weder das Rotlichtviertel, noch die Drogenszene ohne mich das, was sie heute ist. Die Leute respektieren mich, weil ich streng aber fair bin, und nicht zuletzt aus Angst....

„Soll ich in der Parkgarage parken, oder draußen?“, schaut mich Roy fragend durch den Rückspiegel an.

„Ich glaube es ist besser wenn du draußen wartest, Roy...“

„Natürlich.“

Roy aus England gekommen, als dort klar war, das nichts mehr zu retten ist. Er hat viel zurück gelassen und doch gehörte er zu den schlauen, wenn man die heutigen Verhältnisse auf den Inseln betrachtet. Er könnte einem Leid tun, und trotzdem muss ich gestehen, das es nicht ein aufkommen von Menschlichkeit war ihm Arbeit zu geben, sondern das er es auf meiner Liste einfach nur wegen seiner Fähigkeiten nach ganz oben schaffte. Man muss dabei auch gesagt sein lassen, das Roy nie um Mitleid oder Bevorzugung bat, sondern nach seinen Leistungen gemessen werden wollte. Ich glaube mit Gewissheit sagen zu können, dies immer getan zu haben.

Und heute kann ich ihn einen guten Freund nennen. Ich mag seine Nähe, seine Art und seinen Humor, und vor allem seinen ruhigen, flüssigen Fahrstil, um Klassen besser, als der seines Vorgängers. Roy ist Mitte dreißig, damit meine Altersklasse, auch wenn er wesentlich jünger aussieht.

Wie immer kommt der Wagen unter den Händen meines Cheffeurs unglaublich sanft zum stehen, ohne jedes Ruckeln oder plötzlichen Abbruches der Fahrt. Das ist es was ich meinte, als ich sagte, das ich seinen Fahrstil bevorzuge.

„Bitteschön, Herr Viehgold.“

Ich nicke lächelnd, spare wie immer mit Lob, aber ich denke er weiß, das er seine Sache gut gemacht hat. Dimitri öffnet die Tür und hält sie mir auf, immer wieder frage ich mich wie er es schafft mit seinen klobigen Fingern die Tür so elegant zu halten.

Ich steige aus, ziehe mein Jackett und die rote Krawatte zurecht, dann betrete ich über die Treppe des Parkhaus, Dimitri immer hinter mir wissend. Selbst ohne ihn: wer hätte es schon gewagt mich hier, in meinem eigenen Parkhaus, zu überfallen? Selten dämlich wäre das.

„Jakob“, er kommt mit breitem Lächeln auf mich zu, streckt mir seine schlaksige Hand aus. Ich ergreife sie natürlich genau so freundlich, dann umarmen wir uns, es ist einfach Tradition.

Er heißt Michael, man könnte fast sagen er ist mein Bruder; nicht vom Blute her, doch vom Geistigen, von meinem Gefühl her ganz gewiss. Wir haben so viel miteinander durchgemacht; er war es der mich bei allem unterstützt hat, der mit mir alles aus dem Boden gestampft hat. Der Grund warum ich nur oberflächlich freundlich seine Hand nehme, ist das er mich in letzter Zeit öfters enttäuscht hat, als uns beiden lieb sein kann.

„Warum treffen wir uns hier?“, frage ich freundlich kalt. Ich will meinen Ärger über ihn nicht zu sehr Oberhand gewinnen lassen. Zum einen würde er es merken - mit offenen Karten zu spielen ist nicht meine Art - zum anderen betrübt das den Verstand, etwas, das ich nicht gebrauchen kann.

„Nun ja...“ Er geht, zieht mich am Arm mit sich. „Ich muss dir jemand Vorstellen.“

Sein Grinsen verschwindet nicht, ich glaube es ist sowieos immer da. Stroh blonde Haare, ein schmales Gesicht und eine riesen Fresse zum Grinsen, aber denke nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass du mir keine Antwort gegeben hast. Sagen tue ich aber nichts, nur Dimitri bemerkt mein Handzeichen, macht sich jetzt wahrscheinlich unauffällig bereit und wird über seinen Pieper Roy Bescheid geben.

„Das ist... nun ja, du kennst ihn sicher“, hör ich es aus der altbekannten Stimme lachen.

Oh ja und wie ich ihn kenne. Hoch gewachsen, schmales Kreuz, weiße Haare und diese kalten roten Augen, in dem blassen faltigen Gesicht.

„Sigmund...“

„Jakob, ich hätte nicht erwartet, das du mich einmal einlädst...“, sagt er mit seiner kalten, eisigen Stimme. „Und dann noch zu solch einem Anlass.“

„Habe ich nicht“, erwidere ich. „Und ich weiß auch nichts von einem Anlass.“

„Nun ja..“, lacht Michael... , „sozusagen eine Überraschung...“

Er lacht.

Schieb dir dein „Nun ja“ und dein dämliches Lachen in deinen kleinen Arsch. Ich habe schon die vielen Leute bemerkt, und ich bin nicht doof. Ich drehe mich um... wo ist Dimitri..?

„Wo ist Dimitri!?“

Keine Frage mehr, eine Aufforderung.

„Vielleicht ist er nur raus um...“

„Um was?!“, falle ich Michael laut ins Wort? „Verarscht du mich Michael, ist es das?“

„Nein..“

Er lügt, ich weiß das, ich kenne ihn. Seine Augenbrauen zucken, sein Gesicht scheint verzogen... er lügt. Ich greife unter mein Jackett, da wo ich meine Waffe habe.

„Besser nicht“, mischt sich jetzt Sigmund ein; seine Hände winken ab wie ein Regisseur es bei einer schlecht gespielten Szene tun würde. Ich sehe seine Männer, überall. MIST! Es ist meine Schuld, ich habe nicht aufgepasst...

„Nicht“, sagt Sigmund noch einmal unterstützend, als würde das noch etwas bringen... Aber nicht so, nicht mit mir.

„So trete ich nicht ab...“

„Wie?“, fragt Michael ungläubig

„Nicht mit mir Bastard...!“

Ich ziehe die Waffe schnell, kenne mein Ziel und schieße. Der Knall meiner Waffe geht in dem Krach der Maschinengewehre unter, ich spüre wie ich von Geschossen förmlich durchsiebt werde. Doch während ich falle, sehe ich Michael mit mir zu Boden gehen.

Nicht mit mir. Ich weiß nicht, ob mein Gesicht noch lächelte, jedenfalls war das der letzte Befehl meines Gehirns...