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Hallo und herzlich willkommen auf www.plot.de.be, einer Literaturseite mit dem Hauptvermerk auf Kurzgeschichten. Wir wuenschen euch viel Spass beim stoebern und lesen, und im Vorraus schonmal vielen Dank fuer euren Besuch.

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Zitat der Woche

"Egal wie weit der Weg ist, man muß den ersten Schritt tun."

-Mao Tse-tung

Die alte Brücke


ndy, Brad, Michael und Jack gingen wie jeden Tag nach der Schule zurück nach Hause und unterhielten sich über den Schultag. Doch diesmal war etwas anders: Die vier Jungen konnten nicht den normalen Weg nach hause gehen, da ihnen eine Baustelle den Weg versperrte. Also mussten sie über eine alte dunkle Brücke gehen. Diese führte über einen kleinen Bach, an dem die Jungs im Sommer oft spielten als sie noch jünger waren. Nun standen die vier vor der alten Holzbrücke. Auch wenn sie die Geschichten, die über diese Brücke erzählt wurden, nicht glaubten, war es doch immer wieder ein komisches Gefühl, über diese Brücke zu gehen. "Was ist, worauf wartet ihr?", fragte Andy spöttisch. "Auf dich, Jackson", antwortete Brad schnell. "Aber echt mal: ihr glaubt die Geschichten, die man uns über diese Brücke erzählt hat, doch nicht wirklich, oder?", fragte Michael knapp. "Fakt ist", fing Jack verängstigt an ", dass vor 120 Jahren, also in dem Jahr, als die Brücke erbaut wurde, fünf Kinder, alle in unserem Alter, entführt und drei Tage später aufgeschlitzt und ausgeweidet unter der Brücke gefunden wurde." "Aber Fakt ist auch", fing Michael nun wieder an ", dass ein Mann gefasst und kurz darauf für die Morde gehängt wurde...und diesen Mist von dem Brückentroll, der jeden tötet, der über seine Brücke geht, glaubt ihr ja wohl nicht." Andy und Brad sahen sich unsicher an. Jeder im Dorf kannte die Geschichte von den drei Jungs und zwei Mädchen, alle zwischen 12 und 14 Jahren alt, die vor fast 120 Jahren aus dem kleinen Dorf Meantown entführt wurden. Drei Tage und Nächte hatte das ganze Dorf nach ihnen gesucht, bis ein junger Mann die Kinder, alle fünf über einander gestapelt und ausgeweidet, unter der Brücke gefunden hatte. Die Dorfbewohner verdächtigten sofort einen Fremden, der auf der Durchreise war. Die Tatsache, dass er schwarz war führte dazu, dass er ,10 Stunden nach dem Auffinden der Kinder, gehängt wurde. Damit war der Fall offiziell abgeschlossen, doch unter den Bewohner kursiert das Gerücht, dass ein Brückentroll die Kinder getötet hat, da sie über seine Brücke gegangen sind und er mit den Morden sein Revier verteidigen wollte. Andy reichte es. Er ging einige Schritte auf die Brücke zu und drehte sich zu seinen Freunden um. "Also was ist jetzt? Wollt ihr hier solange warten, bis die Brücke von selbst einstürzt, oder kommt ihr mit rüber?" Keiner der Jungs bewegte sich. Sie schienen alle darauf zu warten, dass einer der anderen los ging. Andy seufzte. Er drehte sich um und ging in langsamen Schritten auf die Brücke zu. Auch wenn Andy es sich nicht eingestehen wollte, sein Herz pochte schneller. Andy betrat die Brücke. Das alte Holz knarrte. Langsam ging er weiter. Seine Freunde beobachteten genau jeden von Andys schritten. Als Andy die Mitte der Brücke erreicht hatte, blieb er stehen. Mit angsterfülltem Blick sah er sich zu seinen Freunden um. "Habt...habt ihr das auch gehört?", fragte Andy mit zitternder Stimme. "Nein, was denn?", fragte Brad nun auch leicht verängstigt zurück. Andy sah zum linken Rand der Brücke. "Da!", sagte Andy und zeigte auf den Bach unter der Brücke. Langsam ging er auf den linken Rand der Brücke zu. Als er den Rand erreicht hatte, blickte er hinunter. "Ich hab irgendwas gehört.", rief er seinen Freunden rüber. Diese konnten nicht mehr sehen, was Andy tat, da Büsche die Sicht versperrten. "Ich glaub aber, da unten ist nichts...außer...ACH DU SCHEIßE!", schrie Andy herrüber. "Was zum...". Andy verstummte. Die Freunde, die nur noch Andys Beine sehen konnten, schrien auf, als diese plötzlich wie wild zuckten. Einen Moment lang konnte sich keiner der drei Jungen rühren. Michael kam als erstes wieder zu sich und stürmte zu Andy. Dieser hing mit dem Oberkörper über dem Rand der Brücke und wedelte wild mit den Beinen. Michael packte ihn an seiner Hose und zog mit aller Kraft. Die beiden vielen mit einem lauten Knall nach hinten auf den alten Holzboden der Brücke. Nun lösten sich auch Brad und Jack aus der Erstarrung und kamen auf ihre Freunde zu. "Was ist passiert?", fragte Jack erschrocken. "Ich...ich weiß nicht genau..", fing Andy völlig außer Atem an "da war dieses...dieses.." "Ja?", fragte Brad absolut sicher, gleich das Wort "Monster" hören zu würden. "Reh!", stieß Andy hervor. Die Freunde verstanden zuerst nicht, bis Andy anfing, laut zu lachen. "Ihr..ihr hättet mal euer Gesicht sehen sollen. Echt unbezahlbar." Seine Freunde sahen ihn nur wütend an. Als Andy das sah, sagte er:"Ich hab euch doch gesagt, dass diese Geschichten Schrott sind." Er stand langsam wieder auf und wischte sie die Tränen, die ihm vor Lachen über das Gesicht liefen, ab. "Kommt, lasst uns zu Brad gehen und noch ein bisschen Playstation spielen." Munter und breit grinsend ging Andy voraus. Die anderen Freunde starrten ihm nur nach. Wie konnten sie so dumm sein und auf so einen billigen Trick hereinfallen? Jack musste schmunzeln. "Wir sind doch echt Idioten.", sagte er und ging hinter Andy her. Michael sah Brad an. Dieser zuckte nur mit den Schultern und trottete hinter den anderen beiden her. Michael stand nun auch auf. Er verließ die Brücke. An ihrem Ende drehte er sich noch einmal um. Ob an den Geschichten wirklich nichts dran war? Meantown war in zwei Teile aufgeteilt. Auf der Westseite der Stadt befanden sich fast ausschließlich Geschäfte, Firmen und Fabriken, während auf der Ostseite fast die gesamte Bevölkerung wohnte. Seit es auf der einzigen Hauptstraße des Dorfs eine große Baustelle gab, mussten fast alle über diese Brücke um zur Arbeit zu kommen und Michael hatte noch nicht gehört, dass auch nur einer von denen gestorben wäre. Er drehte sich zu seinen Freunden um, die schon etwa 20 Meter entfernt waren und rannte ihnen nach.

 

Michael traute seinen Ohren kaum, als seine Mutter ihm am Nachmittag erklärte, dass sie und Michaels Vater am Abend ausgehen wollten. "Sturmfreie Bude!", war der erste Gedanke, der Michael durch den Kopf schoss "Die anderen freuen sich bestimmt über 'ne kleine Party." Doch daraus wurde nichts. Andy war bereits mit Jack in das Kino im Nachbardorf gegangen und Brad durfte nur bis 22Uhr wegbleiben. So verbrachte Michael den Abend damit, mit Brad zu telefonierien. Michael lag auf seinem Bett und hielt mit der einen Hand den Telefonhörer fest, während er mit der anderen über seine braunen kurzen Haare strich. Dies tat er immer, wenn er sich aufregte. Dieses Mal ging es darum, dass keiner seiner Freunde Zeit hatte. "Wenn Andy eine Party schmeißt, kommen alle, aber wenn ich mal was machen will, haben die auf einmal keine Zeit." "Tut mir leid, Michael.", versuchte Brad ihn zu beschwichtigen. "Ich wär wirklich gerne gekommen, aber..." ein schriller Ton unterbrach das Gespräch. Michael schnellte hoch und schaute zu seinem Telefon. Seine Katze Kitty war mal wieder auf seinen Beistelltisch gesprungen und kam dabei mit den Pfoten auf einer der vielen Tasten des Telefons. Genervt legte Michael auf und scheuchte Kitty aus seinem Zimmer. Sie würde nur wieder auf seinem Bett rumlaufen und ihre langen Haare überall verteilen. Michaels Magen knurrte. Er hatte seit dem Morgen nichts mehr gegessen. Er hatte auf sein Mittagessen verzichtet, weil er davon ausging, sich abends bei der Party den Bauch vollzuschlagen. Langsam verließ er sein Zimmer und ging durch den dunklen Flur auf die Treppe zum Erdgeschoss hin. Die alten Stufen knarrten laut unter seinen Füßen. Als er das Ende der Treppe erreicht hatte, schritt er in die Küche. Er betätigte den Lichtschalter. Keine Reaktion. "Na super", dachte Michael "das auch noch." Er ging zum Kühlschrank und öffnete ihn. Das schwache Licht erhellte den Raum und warf Michaels übergroßen Schatten auf die hintere Wand. Michael überlegte sich noch, was er essen könnte, als er Kitty schreien hörte. "Blöde Katze hat sich bestimmt wieder vor irgendwas erschreckt." Doch Kitty schrie erneut und diesmal noch lauter. Michael sah von dem Kühlschrank hoch. Er hörte die Treppenstufen knarren. Doch Kitty war nicht schwer genug, damit sie Geräusche erzeugten. Und außer ihm war niemand anderes im Haus. Michael schluckte. Er schloss die Kühlschranktür und schlich langsam in das Wohnzimmer, von wo er die Treppe sehen konnte. Er sah niemanden. Plötzlich zuckte Michael zusammen. Mit einem lauten Poltern zerbrach Porzellan. Der Junge blickte in die Richtung der Küche, doch da es fast stockdunkel war, konnte er nichts erkennen. Auch das schwache Licht des immer noch offenen Kühlschrank half nicht wirklich. Doch Michael war noch nie jemand gewesen, der leicht Angst bekam. Und so war es auch diesmal nicht. Er ballte seine Fäuste und schritt auf die Küche zu. Es war totenstill. Nur Michaels Herzschlag und sein Stöhnen, wenn er gegen etwas gelaufen war, waren zu hören. Michael betrat die Küche. Auch hier war niemand zu sehen. Er griff nach dem Lichtschalter, doch noch bevor er ihn betätigte fiel ihm wieder ein, dass das Licht ja nicht funktionierte. Michael überlegte, wie er für Licht sorgen konnte. Dann fiel ihm ein, dass sie noch eine alte Taschenlampe im Wohnzimmerschrank hatten. Blitzschnell rannte Michael zurück in das Wohnzimmer und durchwühlte den größten und dunkelsten Schrank. Nach einigen Sekunden erhellte ein dünner Lichtkegel den Raum. Zufrieden schlich Michael wieder in die Küche und erleuchtete den kleinen Raum. Die Türen aller Hängeschränke waren aufgerissen und ihr Inhalt, Porzellanteller, lagen auf dem Boden verteilt. Michael stand der Mund offen. Wie konnte das passieren? Kitty konnte ja wohl kaum die Türen geöffnet haben. Und er selbst war es auch nicht. Aber wer dann? Michael zuckte zusammen und fuhr angsterfüllt herum, als das Licht der Küche wieder anging. Er machte die Taschenlampe aus und sah sich in der Küche um. Alles andere schien in Ordnung zu sein. Alle Küchengeräten waren noch an ihrem Platz und die anderen Schränke und Schubladen waren nicht durchwühlt. Also war es wohl auch kein Einbrecher, denn dieser hätte sich wohl nicht damit zufrieden gegeben, die Porzellanteller auf den Boden zu werfen. Das Telefon klingelte und zeriss die Stille des Hauses jäh. Michael nahm ihm Wohnzimmer ab:"Hallo?", fragte er unsicher. "Ich bins Schatz", erklang die freundliche Stimme seiner Mutter "Ich wollte nur fragen, ob alles in Ordnung ist." Michael blickte genervt zu der Decke. Er war 14 Jahre alt und konnte ja wohl eine Nacht alleine zuhause bleiben, ohne, dass etwas passierte. Doch dann fiel sein Blick in Richtung Küche und er schluckte. "Ähm...ja, alles ok, Mum." "Das ist gut. Ich rufe später nochmal an, also bis dann.", antwortete Michaels Mutter. "Ja, bis dann", sagte Michael knapp und legte auf. Er beschloss, erst einmal die Scherben wegzuräumen und sich dann eine gute Ausrede für seine Eltern zu überlegen. "Was für eine Nacht", sagte Michael genervt. Die Angst, dass jemand im Haus war, den er nicht kannte, stieg erst wieder hoch, nachdem er die Scherben beseitigt hatte. Den Rest der Nacht verbrachte Michael, mit der Taschenlampe in der Hand, in seinem Zimmer vor seinem kleinen Fernseher. Seine Mutter rief nicht noch einmal an. Sie hatte es wohl vergessen. Gegen 3Uhr hörte Michael dann, dass die Haustür geöffnet wurde. Erleichtert sprang er auf und wollte seine Eltern begrüßen. Er stürmte auf den Flur und wollte gerade die erste Stufe betreten, als er inne hielt. Er hörte etwas. Etwas, dass nicht zu seinen Eltern passte. Ein tiefes, gleiches Atmen. Das waren nicht seine Eltern! So leise wie möglich versuchte Michael sein Zimmer wieder zu erreichen. Doch aufeinmal hörte er, dass die Treppe knarrte. Jemand kam die Treppe hoch. Michael rannte, so schnell er konnte, zurück in sein Zimmer und verschloss die Tür. Danach warf er sich auf sein Bett und vergrub sein Gesicht in seinem Kissen. Es durfte nicht hier rein kommen. Es sollte verschwinden. Irgendwie.

"Michael, was ist mit meinem Porzellan passiert?!", fauchte Michaels sonst so freundliche Mutter ihn an. Dieser öffnete langsam die Augen. Er blickte direkt in die Lampe, die an der Decke in seinem Zimmer hing. Sein zweiter Blick fiel auf seine Mutter, die auf seinem Bett neben ihm saß. Ihr Gesicht war feuerrot vor Wut. "Wie...wie seit ihr hier reingekommen?", murmelte Michael "ich hab doch abgeschlossen." Seine Mutter schaute ihn verständnislos an. "Die Tür war offen. Du bist beim Fernseh gucken eingeschlafen." Michael atmete erleichtert auf. Dann hatte er das alles wohl nur geträumt. "Aber was hast du mit meinem Porzellan gemacht?! Alle Schränke sind leer!", fauchte seine Mutter Michael nun erneut an. Michales Vater, der im Türrahmen stand, beobachtete Michael misstrauisch. "Ich...das Licht ist ausgefallen und ich wollte mir einen Teller rausnehmen, weil ich Hunger hatte. Dabei sind mir die anderen auch rausgefallen.", sagte Michael und wunderte sich selbst über diese gute Ausrede. "Aha und das hast du dann bei den fünf anderen Schränken wiederholt?", entgegnete seine Mutter knapp. "Ähm...", Michael wusste, dass er nun verloren hatte.

Brad und Jack warteten bereits vor der alten Holzbrücke auf Andy und Michael, die langsam angetrottet kamen. Schon von weitem konnten Jack und Brad sehen, dass Michael sich über etwas heftig aufregte, er gestikulierte wild mit den Armen. "Guten Morgen", sagten Brad und Jack. Andy grinste sie kurz an und wandte sich dann wieder Michael zu. Dieser schien seine Freunde gar nicht zu beachten. "...Und deswegen darf ich ihr von meinem Taschengeld das Porzellan ersetzen!", rief Michael Andy in sein Gesicht. Dieser versuchte, so empört wie möglich drein zuschauen. Brad und Jack dagegen schauten eher verduzt. "Was ist denn passiert?", fragte Brad. "Irgendjemand hat Michaels Porzellan kaputtgemacht und er muss das jetzt bezahlen", sagte Andy mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Michael schien beleidigt zu sein. "Wie "irgendjemand"?", fragte Jack. "Keine Ahnung", antwortete Michael knapp. Aber kurz nachdem unser Gespräch abgebrochen ist", Michael blickte zu Brad hinüber "bin ich runter gegangen, um mir was zu essen zu holen. Weil Kitty geschrien hat, bin ich kurz ins Wohnzimmer gegangen. Als ich dann wieder in die Küche gegangen bin, waren alle Hängeschränke aufgerissen und das Porzellan lag kaputt am Boden. Und meine Mum will jetzt, dass ich das Porzellan bezahle! Von meinem Geld!", rief Michael empört. Brad grinste. "Warum grinst du so blöd? Weißt du, wer das gemacht hat?", fragte Michael zornig. Alle schauten Brad gebannt an. Dieser zeigte auf die alte Holzbrücke. "Der Brückentroll?", fragte Andy spöttisch. "Ja, möglich wäre es doch", verteidigte sich Brad. "Aber ich dachte, Brückentrolle bringen ihre Opfer um und weiden sie aus", fragte Michael ebenfalls spöttisch. Jack grinste überheblich. "Ihr habt auch gar keine Ahnung, oder? Sie werden nur sofort umgebracht, wenn sie direkt in den Lebensraum des Brückentrolls eingedrungen sind. Und dafür müsste man schon unter die Brücke gehen. Wenn man aber nur drüber geht, dauert es fünf Tage, bis er dich tötet. Vorher ärgert er dich noch ein bisschen", Jack grinste böse. "Na Du kennst dich ja super aus", sagte Andy. "Das ist Allgemeinwissen, wenn Du in Meantown wohnst.", entgegnete Jack altklug. "Du spinnst doch", spottete Andy. "Ähm Leute. Wir sollten langsam mal zur Schule gehen. Wenn wir bei Mrs Mimming zu spät kommen, können wir den Rest der Woche mit Nachsitzen verbringen.", warf Jack ein. "Scheiße, Du hast Recht!", rief Michael und alle vier Jungs rannten los. Diesmal störten sie sich nicht an der Brücke.

Als Michael wieder zuhause war, dachte er noch einmal über Jacks Worte nach. War es wirklich der Brückentroll? Gab es so etwas, wie Brückentrolle überhaupt? Vor der letzten Nacht hätte Michael diese Frage ohne lange zu überlegen verneint, doch nun...Das Klingeln des Telefons riss ihn aus seinen Gedanken. Michael stand von seinem Bett auf und nahm den Hörer ab. "Hallo?", sagte Michael. "Na wie hat dir mein Besuch letzte Nacht gefallen?", krächzte eine kalte Stimme. Michael riss die Augen auf, doch dann grinste er. "Netter Trick Andy.", sagte Michael dann "aber du wirst noch etwas üben müssen, bevor dir jemand den Brückentroll abkauft." "Schade", sagte Andy vergnügt "aber naja...ich soll dir eh nur sagen, dass mein Vater heute Abend schon seinen Geburtstag feiert. Kannst du das deinen Eltern sagen?" Michael wurde nervös. Wenn Mr.Elec heute Abend und nicht wie geplant erst in drei Tagen seinen Geburtstag feierte, hieß das, dass Michael diesen Abend wieder alleine zuhause sein würde. "Hey, Michael, noch da?", fragte Andy ungeduldig. "Was?..Jaja, ich bin da...ich werds ihnen sagen.", sagte Michael immer noch in seinen Gedanken versunken. "Gut", gab Andy zurück "also bis morgen dann." Andy legte auf. Doch Michael stand noch einen Moment mit dem Hörer am Ohr neben dem Telefon und überlegte, wie der Abend für ihn wohl ablaufen würde. Er beschloss, den Abend mit einigen Snacks vor dem Fernseher zu verbringen und nach Möglichkeit das Zimmer nicht verlassen zu müssen.

Am Abend schnappte sich Michael einige Snacks und etwas zu trinken. Dies brachte er in sein Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab. So könnte er den Abend überstehen. Und zur Not konnte er auch noch mit Jack oder Brad telefonieren. Sie durften so spät zwar nicht mehr zu ihm, dennoch waren sie gewöhnlich bis in die frühen Morgenstunden wach. "Also bis morgen Schatz", rief seine Mutter durch die Tür. "Ja, bis dann", sagte Michael und schaltete den Fernseher an.

Die kleine Uhr neben Michaels Bett zeigte 2.46Uhr an. Michael war zwar noch wach, doch er nahm kaum noch etwas von dem schlechten Horrorfilm wahr, der vor ihm im Fernsehen lief. Langsam wurden seine Augenlider schwerer, bis ein lauter Knall ihn hochschrecken ließ. Michael lauschte. Es war wieder totenstill. Nur aus dem Fernsehen kamen vereinzelte Dialoge der ebenfalls müde wirkenden Schauspieler. "War wohl nur im Fernseher", dachte sich Michael. Er war zu müde, um Angst zu haben. Michael ließ sich gerade wieder auf sein Bett sinken, als ein erneuter lauter Knall ihn erneut hochschrecken ließ. Langsam stand Michael auf. Er schaute durch das Schlüsselloch, doch auf dem Flur war es zu dunkel, um irgendetwas zu erkennen. Doch Michael hatte auch keine große Lust, die Tür aufzuschließen und nachzusehen, ob dort etwas war. So ging Michael wieder zurück in sein Bett. Es gab wieder einen lauten Knall. Danach noch einen. Und noch einen. Michael gefrohr das Blut in den Adern. Während die beiden ersten Geräusche noch irgendwie von Kitty hätten kommen können, war der letzte eindeutig nicht von seiner Katze. Doch anstatt sich unter seiner Decke zu verstecken, ging Michael auf die Zimmertür zu. Er nahm den Schlüssel, der neben der Tür auf einem Regal über dem Fernseher lag, und schloss die Tür auf. Er ergriff die Klinke und drückte sie langsam runter. Mit einem leisen quietschen öffnete sich die Tür. Als die Tür etwa halb offen war, schrie Michael kurz auf. Kitty war blitzschnell in sein Zimmer gerannt. Schnell atmend öffnete Michael die Tür ganz. Als sie offen war schaute Michael in den dunklen Gang. Es war nichts zu sehen. Wieder erschallte ein Knall. Da die Tür nun offen war konnte Michael ihn noch deutlicher hören. Sein Herz raste. Doch er wollte unbedingt wissen, woher diese Geräusche kamen. Und was ihn noch mehr interessierte: Gab es wirklich Brückentrolle? Langsam tappte Michael in den dunklen Gang. Mit seiner rechten Hand schaltete er das Licht an, dass den Gang in ein schwaches, dunkles Licht tauchte. Wieder war ein lauter Knall zu hören. Kitty schrie aus Michaels Zimmer. "Psst", machte er leise zu Kitty. Dann ging er leise weiter. Als er die Treppe erreichte stockte er. Wenn es kein Brückentroll war, konnte es zumindest ein Einbrecher sein. Michael sollte auf jeden Fall nicht unbewaffnet runter gehen. Er überlegte kurz, was sich am besten als Waffe eignete, dann drehte er sich um und ging schnell zurück in sein Zimmer. Hinter der Tür zog Michael einen alten Baseballschläger hervor. "Besser als nichts", dachte er. Mit leisen Schritten, aber nun ein wenig mutiger, ging Michael wieder zu der Treppe. Wieder war ein Knall zu hören. Michael schluckte und stieg dann die Stufen hinunter. Als er unten angekommen war konnte er die Geräuschquelle im Badezimmer ausmachen. Langsam ging Michael darauf zu. Die Geräusche wurden immer lauter. Michael hatte Probleme den Baseballschläger richtig festzuhalten, da seine Hände schweißnass waren. Er erreichte die Badezimmertür. Sie war nur angelehnt, aber das war normal. Schließlich befand sich Kittys Katzenklo dort. Nun waren die Geräusche sehr laut. Michael zitterte. Doch dann verstärkte er seinen Griff um den Baseballschläger und stieß die Tür mit seinem Körper auf. Michael traute seinen Augen kaum. Er sah nun, was die Geräusche verursachte: Eine bizarre Konstruktion hing über der Badewanne. Ein Metaleimer hing an einem Gummiband. Darüber der Duschkopf, der bis zum Anschlag aufgedreht war. Durch das Wasser füllte sich der Eimer, der nach einiger Zeit nach unten fiel und laut auf den Wannenboden aufschlug, dabei fiel der Eimer um und das Wasser lief raus. Danach wurde der Eimer durch das Gummiband wieder hochgezogen. Michaels Angst war nun vollkommen weg. An ihrer Stelle war nun Erstaunen gerutscht. Als Michael das Wasser abdrehte sah er einen Zettel. Darauf stand:

Hi Mich. Coole Konstruktion, oder? Ist mir ganz alleine eingefallen ;-) Ich hoffe, du hast nicht mit dem Brückentroll gerechnet. Ach übrigens: Ihr solltet eure Hintertür abschließen, das ist sicherer.

Andy

Michael biss die Zähne zusammen. Andy wusste genau, dass Michael Angst hatte. Und dann brach er noch extra ein, nur um diese Konstruktion aufzubauen. Aber obwohl Michael es sich nicht eingestehen wollte war er doch erleichtert. Nachdem Michael die Hintertür abgeschlossen hatte ging er zurück in sein Zimmer. Kitty war weg. Doch das störte Michael im Moment nicht. Im Gegenteil, er brauchte nun etwas Ruhe nach dem Schrecken. Er stellte den Baseballschläger wieder hinter die Tür und schloss diese dann. Danach legte er sich wieder in sein Bett. Er schaute sich noch einen Moment einen alten Film an, dann schaltete er den Fernseher aus, schloss die Tür ab und legte sich hin. Schon wenige Augenblicke nachdem Michael das Licht ausgeschaltet hatte, schlief er ein.

Am nächsten Tag wartete Andy nicht wie gewohnt vor Michaels Tür. Und gerade heute, wo Michael ihm gerne einiges sagen würde. Aber vielleicht wartete er ja an der Brücke auf ihn. Als Michael diese erreichte warteten dort wirklich schon Brad und Andy auf ihn. Nur Jack fehlte. "Guten Morgen", sagte Andy gelassen. "Guten Morgen Hobbybastler, heute schon irgendwo eingebrochen?!", entgegnete Michael spitz. Brad schaute völlig verständnislos drein. "Oh...achja...ähm...sorry, ich wollte dir wirklich keine Angst einjagen, aber...", setzte Andy an. "Doch wolltest du!", gab Michael zurück. "Hey Leute, wisst Ihr eigentlich, wo Jack ist?", fragte Brad die Gesprächspause zwischen Andy und Michael ausnutzend. "Nö", gaben beide zurück. "Vielleicht weiß Andy es ja. Kann ja sein, dass er da auch noch eingebrochen ist und ihn gesehen hat", setzte Michael dran. "Nein, kann nicht sein. Der hat alleine zuhause nämlich nicht son Schiss wie du", lachte Andy. "Naja, vielleicht ist er krank", sagte Brad genervt "aber wir sollten so langsam mal los, sonst kommen wir wieder zu spät". Brad schien die Unterhaltung zwischen Andy und Michael um jeden Preis beenden zu wollen. "Jo, hast Recht", sagte Andy knapp und alle drei setzten sich in Bewegung. Als sie die alte Holzbrücke überquerten warf Michael einen kurzen Blick auf den Bach unter der Brücke. Dort schwam etwas. Es glitzerte in der aufgehenden Sonne. Michael ging an den Rand der Brücke. Es sah aus wie eine Uhr. Jacks Uhr. "Was gibts da denn so spannendes, Mich?", fragte Andy "Du hast Brad doch gehört, wir müssen zur Schule". Michael starrte weiter auf den glitzernden Punkt im Wasser. "Hey, kommt mal her", sagte er. Brad und Andy trotteten zu Michael. Dieser zeigte auf den glitzernden Punkt. Die beiden waren ebenso erstaunt wie Michael. "Das ist bestimmt 'ne andere Uhr. Warum sollte Jack seine in den Bach werfen? Und das, wo er doch krank ist", lachte Andy etwas unsicher. Brad nickte. Michael schaute weiter zu der Uhr. "Gib' mir mal dein Handy, Brad", sagte Michael und streckte seine Hand aus. "Kann ich machen, nur mit leerem Akku wirst du keine Freude damit haben....habs vergessen aufzuladen", antwortete Brad leise. "Jetzt bleib ruhig Mich", sagte Andy nun wieder sicherer "Wir gehen nach der Schule einfach mal bei ihm vorbei und schauen wie es ihm geht, ok?" Michael überlegte kurz, dann nickte er. Brad ebenfalls. "Dann kommt jetzt, wir sind spät dran", sagte Andy und ging weiter. Brad folgte ihm. Michael schaute noch eine Sekunde auf die Uhr, dann ging er ebenfalls weiter.

Nach der Schule gingen die drei Jungs noch zu Jack. Seine Mutter öffnete. Sie war eine recht zierliche Frau mit kurzen rotblonden Haaren und einer kleinen Narbe auf der Stirn. Die Frau hatte immer behauptet, es wäre von einem Treppensturz gekommen, doch alle in Meantown wussten, dass ihr Mann sie ab und zu schlug. Deswegen sah man sie auch selten bei Tag draußen. Und wenn war sie meistens dick angezogen und stark geschminkt. "Ach hallo", sagte die Frau freundlich, als sie Andy, Michael und Brad vor der Tür stehen sah. "Ihr wollt sicher zu Jack oder?" "Ja", sagte Michael. "Dann kommt rein. Aber seit bitte leise. Mein Mann hat sich etwas hingelegt." Sie schaute ängstlich zu Boden. "Keine Sorge", sagte Andy "Wir bleiben auch nicht lange" Alle drei schlichen die Treppe zu Jacks Zimmer hoch. Als sie dort ankamen klopfte Andy an und öffnete leise die Tür. Jack lag im Bett und las ein Buch. Als er seine Freunde sah grinste er. "Hallo Leute, wie gehts euch?", sagte Jack vergnügt. "UNS gehts gut, aber wie gehts Dir?", fragte Andy munter. "Es geht...Bin etwas erkältet, aber Morgen oder Übermorgen werd ich wohl schon wieder zur Schule können", antwortete Jack. "Du Glücklicher", sagte Andy beiläufig und setzte sich auf Jacks Bett. Auf einmal riss Brad die Augen auf und stieß Michael unauffällig an. "Was ist?", flüsterte Michael. Andy unterhielt sich inzwischen mit Jack über den Schultag. "Seine Uhr...Er hat keine Uhr am Armgelenk", hauchte Brad. Es stimmte. Jack trug seine Uhr sonst immer an seinem linken Armgelenk. Doch heute war dort keine Uhr zu sehen. "Ey Jack, wo ist denn Deine Uhr?", fragte Michael. Brad zuckte zusammen. "Ach die...die ist", Jack wude durch lautes Geschrei aus der ersten Etage unterbrochen. Jacks Vater schrie seine Mutter an. Es schien darum zu gehen, dass sie ihn mit irgendetwas geweckt hatte. Andy, Michael und Brad schauten betroffen zu Boden. Jack startete noch einmal:"Die Uhr war kaputt. Ich hab sie Meinem Dad gegeben, der soll sie mit zur Arbeit nehmen und da Mr.Rodneck geben, der repariert in seiner Freizeit ja allerlei Dinge." Jacks Vater war Polizist. Er ließ sich sehr oft für die Nachtschicht einteilen, da er so den Tag über schlafen konnte und so seine Frau nicht so oft sehen musste. Er machte auch kein Geheimnis daraus, dass das der Hauptgrund war, warum er am liebsten nachts arbeitete. "Achso", sagte Brad. Andy grinste Michael und Brad leicht an. Nach etwa weiteren zehn Minuten gingen die drei Jungs wieder. Als sie den Fuß der Treppe erreichten kam ihnen Jacks Mutter entgegen. Sie kühlte sich mit einem Beutel voll Eiswürfel das linke Auge. Verärgert blickten die drei in Richtung Wohnzimmer, wo sich Jacks Vater dem Fernseher widmete. "Alles in Ordnung bei Ihnen, Mrs Belting?", fragte Michael. "Ja, alles ok, ich bin nur ausversehen gegen eine offene Hängeschranktür gelaufen", lachte Mrs Belting. Ihr Lachen klang aufgesetzt. Als die drei Jungs das Haus verließen herrschte eine bedrückende Stimmung unter ihnen. "Man sollte echt was gegen Mr.Belting machen", sagte Brad. "Achnee und was? Die Bullen rufen? Seine Kollegen holen ihn doch sofort wieder raus. Das war doch so vor zwei Jahren weißt du nicht mehr? Als Mrs Belting Tagelang nicht draußen gesehen wurde. Daher hat sie ja auch die Narbe auf der Stirn.", sagte Andy trocken. "Ja, ich weiß noch...aber trotzdem.", gab Brad zurück. "Ob das doch Jacks Uhr war?", fragte Michael auf einmal. "Bei Mr.Belting kann ich mir gut vorstellen, dass er die Uhr entsorgt hat, weil Jack vielleicht mal frech war", sagte Andy. "Möglich...", antwortete Michael überlegend.

Der restliche Tag verlief sehr ruhig. Michaels Eltern verbrachten den Abend zuhause und so konnte Michael das erste Mal seit drei Nächten wieder beruhigt einschlafen. Doch ein Alptraum nach dem anderen plagte ihn und so wurde er gegen 1.30Uhr schweißnass wach. Michael beschloss, sich aus der Küche etwas zu trinken zu holen. Der Brückentroll würde ihn ja wohl nicht angreifen, wenn seine Eltern im Haus waren. So öffnete Michael die Tür und schritt zu der Holztreppe. Irgendetwas huschte am Fuss der Treppe her. "Das war wohl Kitty...", dachte Michael nur und betrat die erste, laut knarrende Stufe. Als er das Wohnzimmer erreichte schoss ihm ein eigenartiger Geruch in die Nase. Ein süßlicher Geruch, den Michael nicht einordnen konnte. Wieder huschte etwas durch die Dunkelheit. Es sah größer aus, als eine Katze. Um einiges größer. Selbst für einen Mensch war es sehr groß. "Haha, sehr lustig, Dad", rief Michael genervt in die Dunkelheit. Er wusste, dass sein VAter gerne Leute ärgerte. Ähnlich wie Andy. Die beiden verstanden sich auch immer super. Einmal hatte sein Dad Andy sogar angeboten, ihn zu addoptieren. Die beiden lachten sehr lange darüber. Michael dagegen konnte diesem "Witz" nichts lustiges entnehmen. So war es auch jetzt. Doch Michael war noch müde.Deswegen machte er sich nichts weiter daraus und ging weiter. Er betrat die Küche. Auch hier war es stockdunkel. Michael tastete nach dem Lichtschalter, als ihm auffiel, dass es feucht an seinen Füßen war. Er stand in irgendeiner Flüssigkeit. Michael bekam den Lichtschalter zu fassen und drückte ihn runter. Das Licht flutete den Raum. Michael kniff die Augen zusammen. "Sehr schlau", dachte Michael genervt und begann langsam etwas zu erkennen. Nach einigen Sekunden konnte Michael normal sehen. Er schaute zuerst auf den Boden und sah, dass sich ein feiner Streifen roter Flüssigkeit über den Boden zog. Es war Blut! Als Michael sich das klargemacht hatte schaute er durch den Raum um zu sehen, woher das Blut kam. Er machte den Ursprung in einem der Hängeschränke aus. in regelmäßigen Abständen tropfte dort Blut auf den Boden, wo es sich in einem schmalen Strahl sammelte und über den Boden zog. Mit schnellen Schritten ging Michael auf den Hängeschrank zu, ergriff die beiden Türen und riss sie auf. Seine Pupillen weiteten sich und ein lauter Schrei hallte durchs Haus. Michael torkelte erschrocken zurück, rutschte in dem Blut aus und fiel rücklings zu Boden. Doch Michael spürte nichts von dem Aufprall. Er konnte nicht fassen, was er gesehen hatte. Er konnte nicht fassen, dass sich Kitty in dem Schrank befand. Er konnte nicht fassen, dass sie gehäutet in dem Schrank lag.

Mr.Belting schrieb den Polizeibericht für den Raub im Supermarkt von Meantown. Ein 18 jähriger hatte ein paar Dosen Bier und eine Tüte Chips gestohlen und wurde dabei erwischt. "Und dafür 'nen Bericht...", raunzte Mr.Belting vor sich hin "man müsste dem Blag mal 'ne ordentliche Tracht Prügel verpassen, dann würd der auch nicht klauen". Das Telefon klingelte. Sergant Ohara nahm den Hörer ab. Sergant Ohara war ein großer, hagerer Mann mit kurzen braunen Haaren und einem Ohrring am linken Ohr. "Polizei Meantown, worum gehts?...Bitte beruhigen Sie sich, Mrs Hangs...Ihre Katze...", sagte Sergant Ohara, während er schnell mitschrieb, "gehäutet im Küchenschrank...alles klar, wir sind sofort da." Mr.Belting sah von seinem Bericht auf:"Gehäutet im Küchenschrank?", fragte er ungläubig. "Ja, Sir", antwortete Ohara. "Das war Mrs Hangs...ihr Sohn hat wohl ihre Katze gehäutet im Küchenschrank gefunden." "Na großartig", sagte Mr.Belting genervt, legte den Stift zur Seite und stand langsam auf.

Am nächsten Morgen warteten Andy und Brad bereits an der alten Brücke, als Jack hinzukam. "Gut, da Du auch da bist fehlt ja jetzt nur noch unser Trollfreund.", lachte Andy. "Gehst du sonst nicht immer mit ihm zusammen hier zur Brücke?", fragte Brad. " Ich hatte keinen Bock mehr bei seinem Haus zu warten, deswegen bin ich schonmal vorgegangen", antwortete Andy. "Er kommt heute nicht.", sagte Jack nur. "Hä? woher weißt du das?", fragte Andy. Jack sah weder ihn noch Brad an, sondern starrte auf seine Schuhe. "Mein Vater...Dad wurde heute Nacht zu den Hangs gerufen...Michael hat Kitty tot im Küchenschrank gefunden. Sie sah wohl wirklich schlimm aus, meinte Dad." Andy und Brad starrten Jack erschrocken an. "Wer...wer tut sowas?", sagte Brad erschrocken. Jack blickte Brad ärgerlich an. "Wir wissen genau, wer das war." Er sah zu der Brücke herrüber. "Ach komm schon", fing Andy an "das ist jetzt kein Witz mehr, hier läuft irgendein Irrer rum." Nun blickte Jack Andy an. "Weißt du, warum ich gestern nicht da war?", fing er gereizt an "Weil du krank warst?", antwortete Andy nun auch leicht verärgert. "Nein", sagte Jack trocken "ich hab einige Geräusche gehört und wollte gucken, was das war. Als ich auf der Treppe war hat mich irgendetwas von hinten geschubst. Als ich unten lag nahm er mir dann die Uhr ab. Ich konnte ihn nicht genau erkennen, ich lag auf dem Bauch und hatte Probleme mich zu bewegen, aber ich weiß, dass er es war...ich hab seine Krallen im Rücken gespürt."

Eigentlich hatten Michaels Eltern vor, am Abend wieder auszugehen, doch nun wollten sie ihn nicht alleine lassen. Nicht nachdem, das passiert war. Michael war es nur recht, dass seine Eltern diesen Abend nicht ausgehen wollten. Es war die fünfte Nacht. Wenn es stimmte, was Jack ihnen erzählt hatte, würde der Brückentroll heute nacht töten. Michael nahm sich vor, diese Nacht das Zimmer unter keinen Umständen zu verlassen. Egal, was er draußen hörte. Michael lag auf seinem Bett und las ein Buch. Doch er konnte sich kaum konzentrieren. Die Ereignisse der letzten Nächte, besonders die der letzten Nacht, schwirrten ihm durch den Kopf. Selbst wenn er diese Nacht überleben sollte, musste man doch etwas gegen den Troll machen. Immerhin ging es hier um Menschenleben! Michael gab auf. Er schloss das Buch und legte es auf seinen Nachttisch. Heute Abend würde er nicht mehr viel weiter kommen. Doch das Licht ließ Michael noch an. Er starrte an die Decke und überlegte, wie man den Brückentroll stoppen könnte. Vielleicht reichte es schon, wenn man die Brücke zerstörte...oder das machte ihn erst richtig aggressiv. Oder man könnte sich eine Waffe besorgen und versuchen, ihn zu erschießen. Man könnte auch einfach versuchen...Michaels Lider wurden schwerer und alles um ihn herum wurde dunkeler. Er schlief langsam ein.

Zur gleichen Zeit saßen Michaels Eltern im Wohnzimmer und sahen sich eine Dokumentation über Russland an. Dieser Tag war für beide anstrengend gewesen. Die Aussage bei der Polizei, die Erklärungen an die neugierigen Nachbarn und sie mussten Michael immer wieder beruhigen, der ständig etwas von einem Brückentroll erzählte. So war es auch nicht verwunderlich, dass Mrs Hangs angelehnt an die Schulter ihres Mannes einschlief. Auch Mr.Hangs kämpfte gegen die Müdigkeit. Er wollte sich ihr gerade hingeben, als das Klingeln des Telefons sie jäh aus ihren Träumen riss. Als Mrs Hangs sich wieder aufrichtete, griff Mr. Hangs nach dem Telefonhörer. "Hallo?", hauchte er verschlafen hinein. "Entschuldigen Sie, dass ich so spät noch anrufe", antwortete ein junger Mann, "aber Mrs Ersen hatte einen Autounfall und die Polizei hat Ihre Telefonnummer bei ihr gefunden." Mr.Hangs schluckte. Das auch noch. Jetzt hatte seine Mutter auch noch einen Unfall gehabt. "Wie geht es ihr denn?", fragte Mr.Hangs nervös. "Ihr Zustand ist stabil, aber es wäre wohl besser, wenn sie kommen würden", sagte der Mann in einem beunruhigenden Ton. "Ist gut", sagte Mr.Hangs nur und ließ sich die Zimmernummer seiner Mutter geben. Zum Glück gab es in Meantown nur ein Krankenhaus, so erübrigte sich die Frage danach. "Danke schön, Doktor", sagte Mr.Hangs und legte auf. Dann beugte er sich zu Mrs Hangs und erklärte ihr, was passiert war. "Ich muss da eben hin", sagte Mr.Hangs. "Aber du hast keinen Führerschein, das heißt ich muss dich da hin fahren...ich möchte Michael nur ungern alleine lassen, aber wecken und mitnehmen möchte ich ihn auch nicht. Er musste heute genug durchmachen, da muss er seine Oma nicht noch auf der Intensivstation liegen sehen.", entgegnete Mrs Hangs. Doch sie wusste, dass ihr Mann sofort zu seiner Mutter wollte. "Er schläft doch, außerdem sind wir gleich wieder da", beruhigte Mr.Hangs seine Frau und zog sich an. "Ja...", sagte Mrs Hangs nur und zog sich ebenfalls an. Fünf Minuten später verließen beide das Haus. Michael war nun allein.

Ein Alptraum riss Michael aus seinem Schlaf. Er sah immer wieder das Bild Kittys vor sich. Schweißnass saß er im Bett und versuchte sich zu beruhigen. Er war gerade wieder bereit weiter zuschlafen, als er einen lauten Knall auf der Treppe hörte. "Waren bestimmt nur Mum oder Dad", dachte Michael. Doch es gab einen erneuten Knall, diesmal auf dem Gang zu seinem Zimmer. Michael wurde wieder nervöser. Doch dieses Mal würde er nicht aufstehen und gucken, was dort los war. Dieses Mal wollte er einfach in seinem Bett bleiben und darauf warten, dass es aufhörte. Es gab einen lauten Schlag direkt vor seiner Zimmertür. Es hörte sich an, als würde jemand mit aller Kraft auf den Boden treten. Michael starrte einen Moment auf die Tür. Es passierte nichts. Es waren auch keine weiteren Geräusche zu hören. Michael beschloss, wieder zu schlafen. Er schaltete das immer noch brennende Licht aus und legte sich wieder hin. Michaels Gedanken verloren sich erneut und er begann, wieder einzuschlafen. Er riss seine Augen allerdings wieder auf, als er ein Kratzen an seiner Tür hörte. Sein erster Gedanke war "Kitty!", doch die Realität holte ihn erbarmungslos ein. Die Geräusche an der Tür waren zwar recht leise, jedoch hörten sie nicht auf. Michael schluckte. Was war das nur? Er spürte, wie sich sein ganzer Körper verkrampfte. Das Kratzen wurde etwas lauter, doch es verstummte schlagartig. Diese plötzliche Stille machte Michael fast noch mehr Angst. Er beugte sich hoch und sah zur Tür. Es war nichts mehr zu hören. Michael starrte die Tür einen Moment an, dann legte er sich wieder hin. Augenblicklich wurden seine Augenlider wieder schwerer und er versank langsam in den Schlaf. Doch ein erneuter Schlag gegen die Tür ließ ihn wieder hochschrecken. Dieser Schlag war lauter als alle bisherigen. Michael beugte sich wieder hoch, doch als er die Tür sah, riss er Mund und Augen gleichermaßen auf. Sie stand offen. Irgendetwas hatte seine Tür weit aufgeschlagen. Michael wollte das Nachtlicht neben seinem Bett einschalten, doch als er den kleinen Schalter betätigte passierte nichts. Doch Michael hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, denn ein tiefes Atmen näherte sich auf dem ebenfalls dunklen Flur. Michael packte die nackte Angst. Augenblicklich sprang er aus dem Bett und rannte zur Tür, um diese zu schließen, doch als er die Tür erreichte, sah er, dass beim Aufstoßen der Tür das Schloss beschädigt wurde. Diese Tür würde sich heute Nacht nicht mehr schließen lassen. Den Geräuschen nach zu urteilen würde es nur noch wenige Sekunden dauern, bis Michael endlich sehen würde, was ihn die letzten Nächte terrorisierte. Er konnte sehen, ob es wirklich ein Brückentroll war, der grausam sein Revier verteidigte oder ob es doch nur ein perverser Irrer war, der sein Vergnügen daran hätte, ihn zu quälen. Doch eines wusste Michael mit Sicherheit: er würde in wenigen Augenblicken getötet werden, ganz gleich, ob nun von einem Brückentroll oder einem Verrückten. Michael sah sich hektisch um. Irgendetwas musste er doch tun können. Am liebsten hätte er nach seinen Eltern gerufen, doch das hätte das Wesen, was auch immer es war, nur veranlasst, ihn schneller zu töten. Michael beschloss, sich unter dem Bett zu verstecken. Blitzschnell rannte Michael zu seinem Bett und warf sich darunter. Er stieß mit dem Kopf gegen alte Kartons, die unter seinem Bett lagen, doch das störte ihn nicht. Das Wesen betrat sein Zimmer. Tief schnaubend blieb es einen Moment in der Tür stehen. "Geh weg. Geh weg", dachte Michael immer wieder. Er konnte durch die Dunkelheit nur schemenhaft die Füße des Wesens sehen. Er konnte nicht einmal sagen, ob sie menschlich waren. Michael sah auf seine Armbanduhr. 3.50Uhr. Um diese Uhrzeit ging meistens einer seiner Eltern noch einmal auf die Toilette. Vielleicht würden sie das Wesen hören und die Polizei rufen. Das war Michaels einzige Chance. Er lauschte, ob er die Schlafzimmertür seiner Eltern aufgehen hörte. Doch außer dem Schnauben des Wesens war nichts zu hören. "Kommt schon...kommt schon", dachte Michael. Doch es passierte nichts. Es war kein Öffnen einer Tür zu hören. Nur das gleiche, tiefe Schnauben des Wesens. Warum tat es eigentlich nichts? Warum stand es nur in der Tür? Versuchte es, Michael in der Dunkelheit zu sehen? Michael hatte diesen Gedanken kaum zuende gedacht, da setzte sich das Wesen in Bewegung. Langsam trat es auf Michaels Bett zu. Michael war sofort klar, dass das Wesen wusste, wo er war. Was sollte er jetzt tun? Sein Herz raste wie wild, sein Atem wurde immer schneller und lauter und er spürte, dass seine Hände schweißnass waren. Michael beschloss, eine Flucht zu versuchen. Das Wesen stand nun vor seinem Bett. Es hielt einen Moment inne, dann wurde das Schnauben lauter. Das Wesen beugte sich wohl weiter herrunter. Michael schluckte, dann rollte er sich an der linken Seite des Bettes herraus und sprang auf. Als er das Wesen sah stolperte er ein paar Schritte zurück. Eine riesige Gestalt stand über seinem Bett. Cirka 2 Meter groß und fast eben so breit, so kam es Michael vor. Das Wesen war auf jeden Fall kein Mensch. Es sah ihn mit seinen Feuerroten Augen an. Sie waren erbarmungslos und böse. Michael starrte das Wesen nur einen Moment gebannt an, doch dann sammelte er all seinen noch vorhandenen Mut und rannte los. An dem Wesen vorbei durch die Tür auf den dunklen Flur. Obwohl Michael erst wenige Meter gerannt war raste sein Herz wie nach einem Dauerlauf. Er hörte das Wesen vor Wut aufschnauben, doch er riskierte keinen weiteren Blick, sondern rannte weiter. Doch nicht zu der alten Treppe, sondern in die entgegengesetzte Richtung, zu dem Schlafzimmer seiner Eltern am Ende des Flurs. Er musste sie warnen. Als er die Tür erreichte drückte er die Türklinke runter und stieß die Tür mit seinem noch vorhandenen Schwung auf. Als er im Schlafzimmer stand schloss er die Tür hinter sich. Michael keuchte laut. Er starrte auf das Doppelbett seiner Eltern. Es war noch unbenutzt. Aber im Wohnzimmer waren sie auch nicht mehr, Michael hätte den Fernseher oder ihre Gespräche vom Flur aus gehört. Sein Puls beschleunigte erneut. Er musste sich an dem Bett abstützen, während sein Keuchen langsam weniger wurde. Hatte der Brückentroll seine Eltern bereits getötet? Michael saß nun außerdem in der Falle: Zurück auf den Flur konnte er nicht, das Wesen wartete dort bestimmt nur auf ihn. Der einzige andere Weg aus dem Zimmer war ein kleines Fenster an der gegenüberliegenden Wand. Es war gerade groß genug, dass Michael durchschlüpfen konnte. Allerdings war es aus dem Fenster ziemlich weit bis zum Boden. "Besser, als zerfleischt zu werden", dachte Michael und ging zügig auf das Fenster zu. Er versuchte, nicht an seine Eltern zu denken. Als er das Fenster erreichte öffnete er es schnell. Die kalte Nachtluft wehte ihm ins Gesicht. Michael stieg mit dem linken Bein aus dem Fenster. Draußen fand er auf einem kleinen Vorsprung, kaum breit genug für seine Füße, etwas halt. Er stieg mit dem anderen Bein hinterher. Als er sich nur noch mit dem Oberkörper rausziehen musste stoppte Michael plötzlich mitten in der Bewegung. Das Wesen müsste doch schon längst da sein. Eine Stimme in Michaels Kopf sagte ihm:"Freu dich doch! So hast du zumindest eine Chance zu überleben!", doch eine andere, stärkere Stimme sagte ihm:"Da stimmt was nicht", in diesem Moment riss Michael ein tiefer, stechender Schmerz aus seinen Gedanken. Etwas hatte sich in sein linkes Bein gebohrt. Michael spürte, wie sich eine warme Flüssigkeit über seine Wade ergoss. Er versuchte sich wieder in das Schlafzimmer zu ziehen, doch er rührte sich nicht. Etwas hielt ihn fest. Michael stützte sich am Fensterrahmen ab und stemmte sich mit aller Kraft gegen den straken Zug an seinem Bein. Er rührte sich kein Stück. Doch aufeinmal bewegte er sich langsam. Ein kurzer Moment der Freude huschte durch Michael, bis er merkte, dass ich sich aus dem Fenster heraus bewegte. Er hatte dem starken Zug an seinem Bein nichts entgegen zu setzen und so wurde er aus dem Fenster gerissen. Er fiel einige Meter tief und landete hart auf dem Rücken. "Ah...scheiße", rief Michael die Augen wegen dem Schmerz fest zusammen gekniffen. Nach wenigen Sekunden öffnete er sie wieder. Michael blickte direkt auf die Fassade seines Hauses. Etwa einen Meter über dem Boden hing das Wesen an der Hausfassade. Es hatte sich mit seinen langen Krallen tief in die Wand gebohrt. Von der linken Hand des Wesens tropfte in regelmäßigen Abständen Blut herunter. Doch Michael wusste, dass es nicht das Blut der Kreatur war. Diese hing immer noch an der Wand, nur die linke Hand in der Luft baumelnd und starrte ihn mit seinen Feuerroten Augen an. Es hatte langes, weißes, wildes Haar und grüne Haut. Seine übergroße Nase stach aus seinem sonst eher kleingehaltenen Gesicht hervor. Es trug außerdem nur eine alte braune Hose, mit einigen Löchern und Rissen darin. Nach einigen Augenblicken rappelte sich Michael wieder auf. Sein Bein schmerzte sehr. Er sah kurz hinunter und sah eine tiefe Fleischwunde knapp unter seinem Knie. Schnell humpelte Michael in Richtung des Nachbarhauses. "Mr. und Mrs Feggins müssen mir helfen.", dachte Michael immer wieder. Es waren noch etwa zehn Meter bis zu der großen Eingangstür der Familie Feggin, als Michael einen stechenden Schmerz in seinem Rücken spürte und das Gleichgewicht verlor. Er stürzte zu Boden. Michael versuchte sich aufzurappeln, doch etwas drückte ihn auf den Boden. Er spürte etwas sehr schweres auf seinem Rücken. Das Wesen drückte Michael wohl herrunter. Das würde auch den Schmerz in Michaels Rücken erklären: Es waren die Krallen des Wesens, die sich tief in sein Fleisch gebohrt hatten, wie kurz zuvor in Michaels Bein. Er hörte das Wesen tief schnaufen. Der Junge überlegte fieberhaft, wie er sich befreien könnte, doch ihm viel kein Weg ein. Michael konnte sich nicht einmal einen Zentimeter bewegen. Sein Puls raste immer noch wie wild. Er hatte Angst, dass sein Herz jeden Moment seinen Brustkorb sprengen würde. So merkte Michael zuerst auch nicht, dass der Druck auf seinem Rücken verschwand. Völlig perplex lag Michael einen Moment auf dem schon durch den Morgentau feuchten Gras seines Vorgartens. Er sprang auf. Von dem Wesen, dem Brückentroll (Michael war sich nun ziemlich sicher, dass es ein Brückentroll war) gab es keine Spur. Er war wie vom Erdboden verschluckt. Michael stand in seinem Vorgarten. Völlig verschwitzt und schnell atmend. Sein Puls raste weiterhin. Sollte Michael trotzdem zu der Familie Feggin gehen und ihnen erzählen, was passiert war? Sie würden ihm wahrscheinlich nicht glauben, auf der anderen Seite hatte er eine stark blutende Wunde an seinem linken Bein und eine sehr schmerzende Wunde auf dem Rücken, die wahrscheinlich ebenso blutete. Michael brauchte auf jeden Fall Hilfe. Doch aus irgendeinem Grund wusste Michael, dass der Brückentroll von ihm abgelassen hatte. Dauerhaft. Michael fiel plötzlich wieder ein, was Jack erzählt hatte:"Wenn man aber nur über die Brücke geht, dauert es fünf Tage, bis er dich tötet. Vorher ärgert er dich noch ein bisschen." Vielleicht wollte der Brückentroll Michael nun auch nur einen Denkzettel verpassen, sodass Michael die Brücke künftig mied. Plötzlich wurde er allerdings etwas wütend. Warum er? Warum gerade er? Nicht nur Michael war über die Brücke gegangen, sondern auch seine Freunde Andy, Jack und Brad. Und überhaupt fast das gesamte Dorf ging mindestens zweimal am Tag über diese Brücke. "Aber gerade mich musstest du fast killen", sagte Michael leise. Wütend, aber insgeheim doch erleichtert, dass er noch lebte, ging Michael zurück in sein Haus. Er beschloss, die Polizei und einen Arzt zu rufen und zu sagen, es war ein großer Einbrecher, der von Michael überrascht wurde. Doch dann blieb Michael abrupt stehen. Nicht nur er hatte den Brückentroll gesehen. Auch seine Eltern hatten ihn gesehen, deswegen waren sie jetzt auch aller Wahrscheinlichkeit nach tot. Die Tränen liefen Michael über das Gesicht. Wahrscheinlich lagen ihre Leichen irgendwo im Haus herum. Vielleicht hatte der Brückentroll sogar das gleiche mit ihnen gemacht wie mit Kitty. Michael würgte bei dem Gedanken, dass seine Eltern irgendwo im Haus gehäutet rumlagen. In Gedanken versunken ging Michael weiter und erreichte die Haustür. Er drückte die Türklinke herunter und drückte mit seinem Gewicht gegen die Tür. Doch sie öffnete sich nicht. Einen Moment stand Michael erstaunt da, doch dann viel ihm ein, wie er nach draußen gekommen war. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Doch dieses erstarrte sofort wieder. Wer hatte die Tür abgeschlossen? Seine Eltern schlossen sie erst ab, wenn sie ins Bett gingen und das Bett war unberührt, das hatte Michael selbst gesehen. Ein Hoffnungsschimmer keimte in Michael auf. Waren sie vielleicht doch nicht tot? Mussten sie vielleicht noch einmal weg und waren gar nicht mehr im Haus, als der Brückentroll dort eintraf? Ein lauter glücklicher Ruf erfüllte die kalte Nachtluft Augenblicke später. "Aber", dachte Michael vergnügt "wie komm ich jetzt wieder ins Haus?" Mit seinem verletzten Bein konnte Michael auf keinen Fall wieder zum Schlafzimmerfenster zurück klettern. Aber hatte seine Mutter nicht für Notfälle einen Schluss diponiert? Die Frage war nur, wo dieser Schlüssel war. Michael suchte den Eingangsbereich einen Moment ab, dann fand er den Schlüssel unter einem Blumentopf an der rechten Seite der Tür. Er schloss die Tür auf und betrat das dunkle Haus. Michael betätigte den Lichtschalter, doch das Licht ging nicht an. Ihm fiel ein, dass bereits die Nachttischlampe in Michaels Zimmer nicht funktionierte. So schloss Michael die Tür hinter sich und tastete sich in das Wohnzimmer, wo eines der Telefone lag. Er nahm es in die Hand und wählte:911. Nach wenigen Sekunden meldete sich eine Frauenstimme:"Polizei Meantown, was ist passiert?" "Ein...ein Einbrecher war eben hier, ich hab ihn überrascht und..." "Ganz ruhig mein Junge", sagte die Frau "Wo wohnst du?" "In der Evergreen Street Nummer..." Michael stockte der Atem. Der Grund war ein Geräusch hinter ihm. Michael hatte der Vorfall nicht so vorsichtig gemacht, dass er bei jedem Geräusch sofort zusammen zuckte, doch dieses Geräusch ließ ihm erneut eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Es war ein tiefes Schnauben. Mit weit aufgerissenen Augen drehte sich Michael langsam um und sah dort den Brückentroll stehen. Wie konnte sich dieses große, schwere Wesen anschleichen, ohne das Michael es bemerkte? "Hallo?", fragte die Frau am Telefon "ist alles in Ordnung bei dir? Du musst mir noch deine Hausnummer sagen, sonst kann Ich Dir nicht helfen". Michael hörte die Stimme der Frau nur entfernt. Sein Puls beschleunigte und wurde schneller, als er je zuvor war. Das Wesen schaute das Telefon an und ein lauter Piepton riss Michael aus seiner Erstarrung. "Hallo?", rief Michael in den Telefonhörer. "Ich wohne Evergreen Street Nummer 26! Hallo, sind Sie noch da?", doch das einzige, dass Michael noch hörte was der Piepton und das tiefe Schnauben des Brückentrolls. Michael hing ein. Der Brückentroll kam nun langsam auf Michael zu. Seine Augen blitzten nun auf vor Mordlust. Michael sah jetzt das erste Mal die langen, spitzen Zähne des Wesens. Sie würden bestimmt genauso tödlich sein, wie die Krallen. Als der Brückentroll noch etwa zwei Meter entfernt war, blieb er stehen. Michael stockte der Atem. Er konnte den starken Geruch des Wesens wahrnehmen. Michael konnte diesen Geruch nicht genau einordnen, doch es war ein ekelhaft süßlicher Geruch, wie in der letzten Nacht, als er Kitty fand. Eine Sekunde lang musste Michael deswegen auch an Kitty denken. Der Brückentroll musterte Michael ganz genau. "Du hast meine Brücke betreten", setzte er mit einer eiskalten, alten Stimme an. Diese Stimme war völlig frei von Mitleid, Erbarmen, oder etwas anderem, dass Michael jetzt noch retten könnte. Nur Hass war zu spüren. "Als Abschreckung für die anderen Menschen muss es nun wieder ein Opfer geben. Wie einst." Michaels Blut gefrohr bei jedem einzelnen Wort des Wesens. Er hatte das Gefühl, die Temperatur in diesem Raum fiel um mindestens 20°C. "A...aber warum ich?", stotterte Michael ängstlich. Er sprach nur, weil er dachte, dass er seine Situation nicht weiter verschlimmern könnte. Ein fataler Fehler. Der Hass in den Augen des Wesens stieg ins Unendliche, so hatte Michael das Gefühl. Und so war es auch. Der Brückentroll stürmte auf Michael zu, faste ihn am Hals und hob ihn hoch. Einen Moment sah der Brückentroll Michael an. Dieser bekam keine Luft mehr und strampelte verzweifelt. "Es hätte jeder sein können", sagte der Brückentroll mit der gleichen, kalten Stimme und ließ Michael auf den Boden fallen. Der atmete hecktisch um wieder Sauerstoff in die Lungen zu bekommen. Der Brückentroll ging wieder einige Schritte zurück. Michael verstand nicht, warum der Troll ihn noch einmal verschont hatte. Langsam rappelte er sich wieder hoch. Die Wunden an seinem Bein und an seinem Rücken machten ihm schwer zu schaffen. Sein Blick wurde tunnelartig und die Umgebung verschwamm vor seinen Augen. Der Brückentroll schien dies zu merken. "Machen Dir die Verletzungen zu schaffen?", fragte er ohne eine Spur Schadenfreude in der Stimme. Es gab dort nur Hass. Michael antwortete nicht. Er würde sowieso sterben, dann müsste er dem Brückentroll nicht auch noch die Genugtuung geben, dass Michael Schwäche zeigte. Die Blicke der beiden trafen sich einen Moment. Michael hatte nicht vor, den Blick abzuwenden. Er hatte nun nichts mehr zu verlieren. Doch der Brückentroll wendete den Blick auch nicht ab. Stattdessen hob er die Klauen. Michaels Puls konnte sich nicht weiter erhöhen, dennoch hatte er furchtbare Angst vor den nächsten Sekunden. Er wusste genau, was nun passieren würde: der Brückentroll würde auf ihn zu rasen und ihn aufschlitzen. Was das Wesen danach mit ihm machen würde, wusste er nicht. Und es Michael eigentlich auch egal. Er würde dann sowieso nichts mehr spüren. So wunderte es Michael auch nicht, als der Brückentroll auf einmal auf ihn zusprang. Michael kniff die Augen fest zusammen. "Das wars...", dachte Michael, dann spürte er einen nie gekannten Schmerz, der sich schnell über seinen gesamten Bauch ausbreitete. Michael schlug noch einmal die Augen auf. Er sah den Brückentroll vor ihm stehen, die rechte Klaue nun ebenfalls voller Blut. Doch sein Gesicht war unverändert. Michael hätte ein hämisches Grinsen oder ähnliches erwartet, doch das Wesen sah ihn mit dem gleichen Hass an wie bisher. Dann gaben Michaels Beine nach. Er sank zu Boden. Augenblicklich wurde seine Sicht schwarz. Er spürte den Schmerz noch einige Sekunden, dann ließ dieser auch nach. Auch das tiefe Schnauben des Brückentrolls wurde leiser. Michael dachte noch ein letztes Mal an seine Freunde und seine Familie, dann verloren sich seine Gedanken. "Das wars...", dachte Michael ein letztes Mal.

Michael war in einem leeren Raum. Es gab weder Fenster, noch eine Tür. Aber es interessierte ihn nicht. Es interessierte ihn auch nicht, wie er hier hergekommen war, oder wie er diese Verletzungen überlebt hatte. Hatte er überlebt? Michael sah sich in dem Raum um, es gab nichts, außer...

Ein grauenhafter Ton riss Michael aus seinen Gedanken. Er kannte diesen Ton, aber das konnte nicht sein. Es war der Ton seines Weckers. Michael riss die Augen auf. Er lag in seinem Bett. Sofort tastete er seinen Rücken und sein linkes Bein ab. Es war keine Wunde mehr zu spüren, nicht einmal eine Narbe. Sofort sprang Michael aus dem Bett und stürmte auf den Flur. Er sah sich kurz um, dann rannte er die alte Holztreppe hinunter. Das Wohnzimmer war leer, doch er hörte seine Eltern in der Küche. Leicht verwirrt und glücklich erreichte Michael diese ebenfalls. Michaels Mutter sah, dass ihr Sohn angerannt kam. "Keine Sorge, mein Schatz", rief sie ihm entgegen "Du hast noch Zeit bis Du zur Schule musst". Michael stoppte kurz vor ihr. War alles nur ein Traum gewesen? Waren die ganzen letzten Tage nur Einbildung gewesen? "Jetzt setz dich schon hin und iss was", sagte sein Vater, während er die Zeitung durchblätterte. Die letzten Tage nochmal durchgehend ass Michael etwas und machte sich dann fertig. Als er zusammen mit Andy auf dem Weg zur Brücke war entschied Michael, dass die letzten Tage keine Einbildung waren, da dies von Datum her nicht passen würde, jedoch die Brückentroll-Ereignisse waren Einbildung. An der Brücke wartete Brad bereits auf sie. Er war schneeweiß. "Guten Morgen", sagte Michael vergnügt. Brad sah ihn völlig empört an. Dann wurden seine Züge wieder weicher. "Was ist los?", fragte Andy. "Habt ihr es noch nicht gehört?", fragte Brad den Tränen nahe. "Nein, was denn?", fragte Michael überrascht. "Jack ist tot. Irgendetwas hat ihn völlig zerfleischt. Sein Vater hat ihn heute morgen hinter dem Haus gefunden. Er ist völlig fertig. Seine Kollegen ermitteln bereits." "Nein", dachte Michael nur "es war keine Einbildung. Nichts davon." Michael war nicht der einzige, der vom Brückentroll heimgesucht wurde. Das erklärte auch den Treppenunfall von Jack. Der Brückentroll hatte ihn gestoßen. Wahrscheinlich wusste Jack deswegen auch so gut über Brückentrolle bescheid. Er hatte sich informiert. Aber Michael war doch eigentlich schon tot. Warum hatte der Brückentroll ihn gerettet und Jack daraufhin getötet? "Mein Gott", sagte Andy traurig. Michael sah nun, dass auch Andy den Tränen nahe war. "Hat..hat die Polizei bereits eine Spur?", fuhr Andy fort. "Ich weiß nicht.", sagte Brad schluchzend "Ich weiß das mit dem Tod auch nur, weil meine Mutter ja als Telefonistin bei der Polizei arbeitet. Sie sagte, es rief sie ein Junge an, der etwas von einem Einbrecher erzählte. Die Leitung wurde unterbrochen, so konnte das Kind nicht seine gesamte Adresse durchgeben. Aber es wohnte in der Evergreen Street, wie Jack und du", sagte Brad zu Michael gewannt. Dieser nickte nur kurz. "Meine Mum geht halt davon aus, dass das Jack war. Sein Vater hatte ja Nachtschicht und seine Mutter konnte ihm wohl auch nicht helfen, deswegen hat er wahrscheinlich bei der Polizei angerufen." Michael schluckte. "Kommt, wir gehen zur Schule, ich kann euch dann noch mehr erzählen.", sagte Brad, versucht, gefasst zu klingen. "OK", sagte Andy traurig und er und Brad gingen langsam auf die alte Holzbrücke zu. "Nicht da lang!", sagte Michael. Andy und Brad blieben stehen und drehten sich zu Michael um. "Und warum nicht?", fragte Andy immer noch den Tränen nahe. Michael sah sie nur ernst an. "Überlegt mal...Jack...die Brücke...". Brad starrte ihn entsetzt an. Andy wurde wütend. Er ging einige Schritte auf Michael zu und blieb kurz vor ihm stehen:"das ist nicht lustig...nicht jetzt", sagte Andy wütend. Michael sah ihn ernst an. "Ich weiß", sagte er kühl. Einen Moment sahen sich Andy und Michael beide ernst in die Augen. Dann weiteten sich Andys Pupillen. Er sah, dass Michael es ernst meinte. Todernst. "Lasst mal gucken, ob wir nicht irgendwie an der Baustelle vorbei kommen." sagte Andy und ging auf die Hauptstraße zu. Michael blieb noch einen Augenblick dort stehen, wo er stand. Brad kam auf ihn zu. "Meinst du wirklich...", setzte Brad an. "Komm", unterbrach ihn Michael. "Wir müssen zur Schule".




Ende