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Zitat der Woche

"Egal wie weit der Weg ist, man mu den ersten Schritt tun."

-Mao Tse-tung

Von der Verflachung der Gesellschaft

 

Im Rahmen meiner Arbeit hatte ich vor einigen Tagen ein etwas längeres Gespräch mit einem Mann. Wir sprachen über verschiedene Themen und er erzählte mir auch einiges über sich. Der Mann ist kurz vor Ende des 2.Weltkriegs geboren worden und war in der Nachkriegszeit gerade alt genug, um diese aktiv mitzuerleben. Er erzählte mir einiges von sich und der schweren Zeit kurz nach Ende des Krieges, von der Tatsache, dass sie nicht wussten, woher sie etwas zu essen bekommen sollten. Natürlich haben wir diese Geschichten alle schon einmal gehört, doch man muss sich einmal ganz klar vor Augen führen, was es für uns hieße, wenn nicht im Geringsten sicher gestellt ist, dass wir morgen oder übermorgen etwas zu essen bekämen. Die Vorstellung ist heutzutage fast unmöglich. Positiv, dass wir es soweit geschafft haben, aber negativ, dass die Folge daraus eine größere Faulheit wurde. Er erzählte mir auch von der harten Arbeit, die er als kleines Kind schon verrichten musste. Das Gespräch hat mich noch lange danach beschäftigt.
Die daraus entstandenen Gedanken waren jedoch keinesfalls neu.
Bevor ich auf das Hauptthema dieses Textes komme, möchte ich den Begriff der Verflachung klären, denn auf diesen werde ich mich im Weiteren noch öfter beziehen. Ich bezeichne hiermit die Allgemeinheit, die sich durch keine Extremen mehr auszeichnet und unauffällig in der Anonymität der Gesellschaft lebt. Bei der Gesellschaft beziehe ich mich insbesondere auf die westliche Gesellschaft, die sogenannten Industriestaaten. Die einzelnen Menschen in diesen Staaten heben sich durch nichts mehr hervor, weder durch Ideologien, noch durch besondere andere Leistungen und genau hier sehe ich das Problem:

Ich denke, die heutige Gesellschaft hat mit einer zunehmenden Verflachung zu kämpfen. Niemand ist mehr bereit, Unannehmlichkeiten zu bestreiten. Wenn wir Hunger haben, ist es fast rund um die Uhr möglich, fast jedes Gericht zu bekommen. Wenn wir unterhalten werden wollen, steht das Fernsehen oder auch das Internet ständig zur Verfügung. Entfernte Orte können spielend leicht erreicht werden, jede denkbare Information ist in Sekunden abrufbereit. Natürlich sind das alles angenehme Elemente und sie vereinfachen unser Leben massiv, doch die Frage ist, wie wir sie nutzen?
Es gibt eine Reihe von Problemen, die sich erst durch die "Vereinfachung" des Alltags entwickelt haben. So ist ein großes Problem, zuerst besonders in den USA, inzwischen auch immer mehr in Europa, die zunehmende Übergewichtigkeit. Ich denke, auch das kann man auf die Verflachung zurück führen. Wofür muss man sich noch anstrengen? Wozu Sport treiben, wenn es einem nicht gerade unheimlichen Spaß macht? In der Vergangenheit war es stets nötig, fit zu sein um sich und seine Familie zu verteidigen, doch auch dieser Punkt fällt in der heutigen Zeit weg. Weiter entsteht etwas anderes, ebenfalls unhistorisches: Langeweile. Am besten eignet sich hier der Vergleich mit Tieren in Zoos: Tiere werden in der freien Wildbahn niemals Langeweile haben, in Zoos jedoch bekommen sie das Essen gebracht und sie brauchen sich auch nicht vor Feinden zu schützen. Die Folge sind unnormale Verhaltensweisen, wie zum Beispiel bei Haien, die stundenlang im Kreis schwimmen, einfach weil ihnen Platz und Abwechslung fehlen. So ähnlich läuft es auch mit den Menschen ab: Es fehlen die zwingenden Kämpfe in einem menschlichen Dasein und die Folge sind Depressionen, Essen aus Langeweile und übermäßiger Konsum von Massenmedien wie dem Fernsehen.
Ein weiteres großes Problem ist die durch die Verflachung wachsende Teilnahmslosigkeit am politischen Geschehen: Das Interesse an der Politik sinkt immer weiter, die einzigen Gruppen, die wirklich Zulauf verzeichnen, sind die radikalen am linken und rechten Flügel. Sie zeigen den Menschen etwas besonderes, etwas unnormales, das gegen die ereignislose Gesellschaft vorgeht, gleichzeitig jedoch scheinbar einfache Lösungen auf heutige Probleme gibt. Selbst die religiösen Gemeinden verlieren an Mitglieder, denn auch dafür, ebenso wie bei der Politik, fehlt vielen Menschen der Wille. Es ist einfacher, wenn andere diese Dinge für einen tun.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Menschen keinen Zweck mehr darin sehen, sich noch irgendwo zu engagieren, denn es ist zu anstrengend.
Die Jugend zeigt sich inzwischen soweit durch diese Verflachung betroffen, dass Lebenswege und -pläne einfach abgebrochen werden, nur weil sich dieser Weg als größere Herausforderung zeigt, als zuerst vermutet. Bei Problemen oder Hindernissen wird nicht mehr weitergekämpft, sondern es wird er Weg des geringsten Widerstands eingeschlagen, doch dieser führt gerade im Berufsleben zumeist in einer langweiligen und perspektivlosen Arbeit, der in krassem Gegensatz zu den eigenen Träumen und vielleicht auch den eigenen Talenten steht.
Dieser fehlende Kampfgeist und der Wunsch nach völliger Anpassung an die Gesellschaft ist Gruppenübergreifend. Sie betrifft jede soziale Schicht, von den Ärmsten bis zu den Reichesten. Selbst Gruppen, die sich selbst laut als "anders" und "gegen den Mainstream" bezeichneten, sind heute eher abgeflacht. Als Beispiel nehme ich einmal die Punks. Ursprünglich entstanden aus der akuten Unzufriedenheit gegenüber der Gesellschaft und ihrer Normen, nehmen es heutzutage die meisten Punks als Anlass, in extravaganter Kleidung, die innerhalb der Gruppe inzwischen selbst als Mainstream bezeichnet werden kann, Alkohol an öffentlichen Plätzen zu trinken und Passanten anzupöbeln. Ehemals heere Ziele zur Veränderung der Allgemeinheit sind heute bei den meisten (nicht mehr) existent, die Punks sind inzwischen nur eine weitere Gruppe des Mainstreams.
Wenn sich dieser Trend fortsetzt sehe ich eine Gesellschaft, die derart desinteressiert und oberflächlich wird, dass wichtige Werte für immer verloren gehen können. Werte wie Arbeit, der Gedanke, dass man an Herausforderungen wächst und man sich seinen Problemen stellen muss, anstatt vor ihnen weg zu laufen, werden aus dem allgemeinen Denken verschwinden. Natürlich ist es gut, dass kleine Kinder, wie der von mir angesprochene Mann, heute nicht mehr schwere körperliche Arbeit verrichten müssen, doch es ist klar, dass die Arbeit auch den Charakter formt. Wer sich sein Geld selbst mit Aufwand verdient hat, weiß es eher zu schätzen und kann auch die Arbeit anderer Menschen besser einschätzen. Insgesamt ist das Arbeiten unter Jugendlichen eher seltener geworden, besonders die körperlich schweren Arbeiten werden sogut wie gar nicht mehr von Jugendlichen durchgeführt, selbst wenn die Alternative zu dieser Arbeit Geldnot ist, oder die Tatsache, seine Eltern dauernd um etwas Hilfe fragen zu müssen, denn es ist einfacher, sich von Mama und Papa bezahlen zu lassen, doch der Preis dafür ist die Selbstständigkeit und die eigene Mündigkeit. Man gibt die schweren Aufgaben ab und begibt sich somit selbst in eine Unmündigkeit, da man offen zugibt, nicht alle für das Leben wichtigen Aufgaben bewältigen zu können oder zu wollen. Im größeren Maßstab gesehen heißt dies, dass eine unmündige Gesellschaft heran wächst, was mit Sicherheit früher oder später nachteilig für das allgemeine Leben wird. Man kann an dieser Stelle argumentieren, dass man später immer noch genug arbeitet, doch man muss es einmal so sehen: Alle wichtigen Dinge im Leben lernt man in der Jugend, zu arbeiten, ein Atribut, das für den Staat und das eigene Leben essentiell ist, erlernt man dagegen erst im Erwachsenenalter?
Die Jugendlichen sind an dieser Entwicklung jedoch keinesfalls alleine schuldig. Es ist heutzutage üblich, die Kinder in einer Weise zu erziehen, die ihnen schon früh aufzeigt, dass die Gesellschaft keine größeren Ansprüche mehr nötig macht und man alltägliche Gefahren damit auch ruhig umgehen sollte, selbst wenn sie für die Entwicklung wichtig sind. Ein Beispiel hier liefert mir der angesprochene Mann: Er erzählte mir von seiner Tochter. Diese ist Kindergärtnerin und der Mann hat die Kinder einmal mit in den Wald genommen. Dort hatte er über einen kleinen Bach eine Brücke ohne Geländer aufgebaut und wollte sehen, wie die Kinder den Bach überqueren. Das ganze war völlig ungefährlich für die Kinder und zusätzlich waren die Tochter und der Mann auch dabei. Das Ergebnis jedoch war, dass sie entweder über diese Brücke kriechten oder derart langsam und unsicher gingen, als würde unter ihnen ein aktiver Vulkan warten. Diese Kinder sind es einfach nicht mehr gewöhnt, etwas zu wagen und auszuprobieren. Die heutige Erziehung setzt so an, dass Kinder sich in möglichst wenig Gefahr begeben und natürliche Prozesse wie Erkunden und die Neugier werden dabei in den Hintergrund gestellt. Die Beurteilung, inwieweit das positiv ist, überlasse ich Jedem selbst.
Ich könnte diese Beispiele noch weiter führen, aber ich denke, meine Intention, diesen Text zu schreiben, wurde klar. Ich bin wirklich froh, dass wir weder im Krieg noch in einer unmittelbaren Nachkriegszeit leben, jedoch kann sich dies schnell ändern. Man sollte sich nie zu sicher sein, denn der letzte globale Krieg liegt erst 60 Jahre zurück, das sind gerade einmal zwei Generationen und auch jetzt ist längst nicht alles friedlich auf der Welt. Natürlich, es wirkt alles weit weg in Georgien oder im Orient, doch solche Ereignisse wie der 11.September oder auch die Geschehnisse der vorangegangenen Kriege sollten zeigen, dass diese Sicherheit trügerisch ist und sich schneller in einen Albtraum verwandeln kann, als uns lieb ist.
Außerdem möchte ich persönlich nicht, dass meine eventuellen Kinder später einmal in eine Gesellschaft geboren werden, die sich nur noch durch Oberflächlichkeit auszeichnet und deren größten Errungenschaften im Bereich der Bekämpfung der neu entstandenen Langeweile liegen. Denn das ist heute schon abzusehen: Die Menschen verwenden die größte Energie darauf, sich möglichst viel Arbeit fern zu halten.
Ich möchte klar stellen, dass ich durchaus dankbar für die Errungenschaften unserer Gesellschaft bin; ich gehe gerne ins Kino, schaue fast jeden Tag Fernsehen und bin auch im Internet relativ aktiv, doch es geht mir um die Menge dieses Konsums. Es wird in dem Moment für die Gesellschaft gefährlich, in dem sie diese Errungenschaften als selbstverständlich und vor allem als Ersatz nehmen. Natürlich ist Sport anstrengender als sich die gleiche Leistung von anderen Menschen im Fernsehen anzuschauen, doch diese Erlebnisse selbst zu machen sind so wichtig und niemand weiß, ob man sie nicht noch brauchen kann.
Natürlich weiß ich, dass ich hier verallgemeinere, doch um Probleme der Gesellschaft anzuprangern ist das wohl unabdingbar. Wenn sich jemand zu unrecht von mir angegriffen fühlt (z.B. als Jugendlicher, oder als Punk), dann entschuldige ich mich hiermit ausdrücklich, mir ist natürlich klar, dass es auch Jugendliche gibt, die sich dem übermäßigen Konsum an Massenmedien durchaus bewusst sind und dem entgegensteuern und auch Punks, die immer noch "die alten Ziele" verfolgen, doch der Großteil bewegt sich leider in eine andere Richtung.